Zeitschrift

Die Delegiertenversammlung in Stockholm (August 1991) beschloß die Einrichtung einer neuen internationalen psychanalytischen Zeitschrift, dem "International Forum of Psychoanalysis" (IFP). Sie soll ein Treffpunkt für alle Psychoanalytiker sein, unabhängig von ihrer internationalen Zugehörigkeit und theoretischen Ausrichtung. Die Zeitschrift fördet Artikel, die therapeutische Erfahrung und Interesse an der Revision oder Weiterführung psychanalytischer Theorien aufzeigen. Das IFP erscheint quartalsweise und die erste Ausgabe erschien im Juni 1992. Abonnements sind auch für Interessierte außerhalb der IFPS verfügbar. (Abonnements, Vertrieb und zurückliegende Ausgaben: orders@tandf.co.uk.)

Inhalt einiger unseren Ausgaben:

Band 12: 2 Juni 2003

Band 10: 1 März 2000

Band 9:3-4 Oktober 2000

Homepage des "International Forum of Psychoanalysis" IFP):http://www.tandf.no/ifp

Schriftleitung:

Christer Sjödin (Schweden) e-mail: sjodin.christer@telia.com

Marco Conci (Deutschland und Italien) e-mail: MarcoConci@aol.com oder mconci@tin.it

Redaktion:

Elisabeth Alexis Medin (Schweden) e-mail: Elisabeth.Alexis-Medin@se.tandf.no

Redaktionsbeirat:

Maarit Arppo (Finnland) e-mail: maarit.arppo@pp.inet.fi

Carlo Bonomi (Italien) e-mail: mail@bonomicarlo.191.it

Per Binder (Norwegen) e-mail: per.binder@psykp.uib.no

Korrespondenten:

Christopher Bollas (UK)

Per Magnus Johansson (Schweden)

Luis Eduardo Prado Oliveira (Frankreich)

Regionale Redakteure:

Mitteleuropa (deutsch): Michael Ermann (Deutschland)

Südeuropa (romanische Sprachen): Rómulo Aguillaume (Spanien)

Nordeuropa: Christer Sjödin (Schweden)

Nordamerika: Valerie Tate Angel (USA)

Südamerika: Eliana Rodrigues Pereira Mendes (Brasilien).

Buchrezensionen:Maarit Arppo (Finnland) Email: maarit.arppo@kolumbus.fi

Inhalt des 12. Bandes : 1 Juni 2003

EDITORIAL

Zvi Lothane

ARTIKEL

Nitzschke B. Psychoanalysis and National Socialism. Banned or Brought into Conformity? Break or Continuity?

 

Wurde die Psychoanalyse in Deutschland in der Zeit von 1933 - 1945 "zerstört" oder "gerettet". Bis zum heutigen Tag werden immer wieder neue Antworten auf diese Frage gegeben, Antworten, die von der Zeit und den beteiligten Interessen abhängig sind. Dieser Beitrag versucht noch einmal die Schritte zu rekonstruieren, welche zur Eingliederung Der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft [DPG] in das nationalsozialistische deutsche Institut für psychologische  Forschung und Psychotherapie (Deutsches Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie) führten. Dieser Prozeß der Eingliederung, welcher als "Rettung" beabsichtigt war, führte zu der Selbstauflösung der DPG im Jahre 1938 und fand während fortwährender Gespräche zwischen Felix Boehm und Carl Müller-Braunschweig, Offizielle der DPG, auf der einen Seite und Ernest Jones, Präsident der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPA) auf der anderen Seite statt. Der Prozeß war noch mit einem anderen Desideratum verknüpft: Der Ausstoßung von Wilhelm Reich aus der DPG/IPA.

 

Reich, Rubin L. Wilhelm Reich and Anna Freud: Seine Ausstoßung aus der Psychoanalyse

 

Dieser Artikel beschreibt das Anwachsen von Feindseligkeit gegenüber Wilhelm Reich in der psychoanalytischen Gemeinschaft über seine marxistische Ideologie und Aktivismus ebenso wie über Nichtübereinstimmungen über den Todestrieb. Er beschreibt die politischen Manipulationen in den Hintergrundszenen zwischen Ernst Jones und Anna Freud, um die Ausstoßung von Reich aus den lokalen Wiener und Berliner psychoanalytischen Gesellschaften und der Interantionalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPA) zu bewirken. Er beschreibt die Reaktionen von Reich auf diese Ereignisse.

 

Reichmayr, J. Mühlleitner, E:Die Psychoanalyse in Österreich nach 1933/34. Geschichte und Geschichtsforschung

 

Unser Beitrag befaßt sich mit den wichtigsten Entwicklungen zur Geschichte der  Psychoanalyse während der faschistischen und nationalsozialistischen Jahre in Österreich und stellt die Wiederbegründung der Psychoanalyse nach dem Zweiten Weltkrieg dar. Mit der Konsolidierung des Nationalsozialismus in Deutschland 1933 und des Austrofaschismus 1934 fand eine kritische psychoanalytische Reflexion der Politik und Kultur ein Ende. Wien wurde wieder das Zentrum der psychoanalytischen Bewegung in Zentraleuropa und übernahm damit die Rolle, die Berlin während der zwanziger Jahre gespielt hatte. Während des Autrofaschismus war die Psychoanalyse jedoch von einem wichtigen Teil der Öffentlichkeit isoliert. Und die Psychoanalytiker reagierten entweder mit politischer Abstinenz und Selbstzensur und konzentrierten sich auf die Ausbildung und klinische Arbeit, oder sie gingen ins Exil. Der Anschluß Österreichs an das nationalsozialistische Dritte Reich führte zur endgültigen Zerstörung der Psychoanalyse. Beinahe alle Wiener Analytiker waren von den antijüdischen Gesetzen der Nationalsozialisten betroffen und flohen aus dem Land. Während der Kriegsjahre versuchte eine kleine Gruppe unter der Führung von August Aichhorn die psychoanalytische Ausbildung fortzusetzen. Die Mitglieder begründeten die Wiener Psychoanalytische Vereinigung Anfang 1946. Die wissenschaftlichen Traditionen waren jedoch abgebrochen, Tendenzen der Antiaufklärung, speziell die klerikalen und katholischen Vorurteile gegenüber der Psychoanalyse bestanden nach dem Krieg fort. Das letzte Kapitel unseres Beitrags faßt die Forschungsthemen und wichtigsten historiographischen Studien in diesem Bereich zusammen. 

 

Stroeken H. Psychoanalyse in den Niederlanden während des WW II

 

Um zu verstehen, was in der psychoanalytischen Welt in Holland während der deutschen Besetzung (1940-1945) geschah, müssen wir Kenntnis von den Konflikten innerhalb der holländischen Gesellschaft für Psychoanalyse in den dreißiger Jahren haben. Diese Konflikte behandeln vor allem das Thema der Laienanalyse, die verpflichtende Lehranalyse und allgemein ob die Einhaltung auswärtiger, d.h. der IPA-Regeln, ratsam sei. Diese Meinungsverschiedenheiten erreichten ihren Gipfel, als 1933 vier jüdische Psychoanalytiker aus Deutschland ankamen. Die holländische Gesellschaft zerbrach in zwei Teile, wurde aber 1938 wiedervereinigt. Während der deutschen Besetzung wurde die Ausbildung schließlich nach den IPA - Regeln ausgerichtet. Dies führte zu einer neuen Spaltung in der Welt der holländischen Psychoanalyse, die bis heute nicht geheilt worden ist.

 

de Mijolla: Psychoanalyse und Psychoanalytiker in Frankreich zwischen 1939 und 1945

 

Frankreich war während der ganzen vier Jahre der deutschen Besetzung durch eine tiefe psychoanalytische Stille ergriffen. Die psychoanalytischen Institute schlossen ihre Türen und die Revue française de Psychoanalyse unterbrach ihre Publikation, sobald der Waffenstaillstand 1940 erklärt wurde. Einige Leute, z.B. Rudolf Loewenstein oder Prinzessin Marie Bonaparte emigrierten, andere kämpften, z.B. Sacha Nacht oder Paul Schiff. Daniel Lagache fuhr mit seinen Forschungen unter der Schirmherrschaft der Universität von Straßburg fort, welche in Clermont-Ferrant Schutz gesucht hatte. René Laforgue kooperierte mit der deutschen Besatzung. Nach der Befreiung von Frankreich im Jahre 1944 wurde er von einer Gruppe ausgeschlossen in der er, einige Jahre zuvor, die Hoffnung gehegt hatte, eine herausragende Rolle zu spielen. Ganz wenige von denen, die er analysiert hatte, blieben ihm treu. Das hatte eine wichtige tragende Rolle für die Evolution der psychoanalytischen Bewegung in Frankreich nach 1945. Im Jahr 1945 tauchte aus den letzten Konvulsionen des Krieges tatsächlich die neue Generation auf, um sich um die einflußreichsten potentiellen Führer zu sammeln: Sacha Nacht und Jacques Lacan. Nur nach der Latenz dieser stillen Jahre, nur nach diesen Jahren gewaltsamer Kämpfe und Feigheit erschien die psychoanalytische Ausgestaltung zusammen mit den institutionellen Fehden, denen sie Auftrieb gab - in einem konflikthaften Klima, gipfelnd im Einschnitt von 1953.

 

Johannsson P.M: Fliehen von einem Ort, auf der Suche nach einem anderen

 

Die Geschichte der Psychoanalyse erzählt auch die Lebensgeschichte einzelner Menschen, die entwurzelt wurden. Unterdrückung und Verfolgung zwangen jüdische Psychoanalytiker in der Zeit zwischen den Weltkriegen und im zweiten Weltkrieg in das Exil. Eine Auskunft über die Geschichte der Psychoanalyse in einem bestimmten Land ist auch daran gebunden, die internationalen Umstände zu spiegeln. Dieser Artikel erzählt die Lebensgeschichte eines Psychoanalytikers jüdischer Herkunft. Er erzählt jedoch auch eine andere Geschichte, nämlich die schmerzvolle Geschichte der Psychoanalyse. Das Leben des jüdischen Psychoanalytikers, Lajos Szekely (1904-1955), der seinen Weg nach Schweden im Mai 1944 fand, summiert und destilliert das Schicksal anderer jüdischer Psychoanalytiker. Der Artikel beschreibt das Leben eines Psychoanalytikers aber gleichzeitig was er in einem mehr allgemeinen Sinne repräsentiert. Er handelt von den vielen jüdischen Psychoanalytikern, die gezwungen waren zu fliehen und die, obwohl die Flucht schließlich vorbei war - noch entwurzelt- gezwungen waren, einen Platz zu suchen und ein Vorhaben in einer neuen sozialen Umgebung.

 

Gifford S. Emigré Analysts in Boston, 1930-1940

 

Eine kurze Geschichte der europäischen Analyiker, die sich während der ersten Dekade der/des neu organisierten Bostoner Psychoanalytischen Gesellschaft/Instituts niederließen - als Teil der großen intellektuellen Migration, die aus Hitler-Deutschland und -Österreich floh. Der Ausdruck émigré  wurde als mehr umfassend gewählt, da nicht alle Flüchtlinge gezwungen waren zu emigrieren. Der Abfolge der Ankunft jeden Analytikers wird nachgegangen und deren Gründe, Boston zu wählen werden, wenn möglich, namhaft gemacht.

 

BUCHREZENSIONEN

 

Conci Marco: Goggin JE, Brockman Goggin E. Death of a 'Jewish Science'. Psychoanalysis in the Third Reich.

 

 

Inhalt des 10. Bandes : 1 März 2000:

Trauma – Leben und Tod: Ein transkultureller Ansatz

 

EDITORIAL

 

Trauma – Leben und Tod: Ein transkultureller Ansatz

 

 

ARTIKEL

 

 

Lussana Pierandrea. Aufrichtigkeit auf dem Prüfstand: Psychoanalyse angewandt auf das Kind und die Kunst oder der erweiterten Metapsychologie gewidmet?

 

Aufrichtigkeit: Eine Studie der Atmosphäre menschlicher Beziehungen, ein zuvor unveröffentliches und bei D. Meltzer’s Collected Papers erschienenes Buch, erforscht Die Zwerge, Die Geburtstagsfeier und Die Heimkehr von Harold Pinter, sowohl das Vermögen, echte Gefühle mitzuteilen als auch seine Begrenzung durch die durch Härte und Kälte verursachte Unfähigkeit des Subjekts zu sagen, was er meint, und durch eine integrierte narzißtische Struktur verursachte Unfähigkeit zu meinen, was er sagt. Die Hauptaussage des Buches ist, daß die Sprache der Träume vielleicht die lingua franca der Emotionalität und der Schlüssel zur Ästhetik ist, mit einer klaren Angabe über die kommenden Bücher. Dieser Artikel untersucht die Relevanz des Gedankens der Aufrichtigkeit in Meltzers weiterer Arbeit in seinen klinischen und metapsychologischen Aspekten.

 

Landerholm, Lotta. Die Erfahrung des Verlustes und der Adoption als Kind und als Eltern – eine motivationspychologische Sicht.

 

Adoptiertes Kind und aus eigener Unfruchtbarkeit adoptierende Eltern haben die Erfahrung des Verlustes, des Wechsels ihrer Bindungsobjekte und in der Familie biologisch getrennt zu sein, gemeinsam. In diesem Aufsatz wird die erfahrbare Korrespondenz zwischen Adoptivkind und unfruchtbaren Adoptionseltern unter Zuhilfenahme der Motivationstheorie von Joseph Lichtenberg untersucht. Diese Theorie basiert auf psychoanalytischem Wissen und Säuglingsforschung. Sie beschreibt fünf Motivationssysteme, die vom Lebensbeginn an wirken mit Bezug auf 1. das Bedürfnis nach psychologischer Regulierung der körperlichen Versorgung; 2. das Bedürfnis nach Bindung und Nähe; 3. das Bedürfnis nach Exploration und Selbstbehauptung; 4. das Bedürfnis, auf unangenehme Erfahrung aversiv oder mit Rückzug zu reagieren und schließlich 5. das Bedürfnis nach sinnlicher Stimulierung und (später) sexueller Erregung. Im Hinblick auf diese basalen Bedürfnisse haben unfruchtbare Adoptionseltern Erfahrungen, die denen von verlassenen Kindern entsprechen. Das kann sich als Risiko bei der Entwicklung der Adoptionsfamilie auswirken aber auch als Chance zur Reifung und Wachstumsförderung. Der Aufsatz untersucht mögliche Heilungsfaktoren innerhalb eines unfruchtbaren Paares mit Bezug auf die Erfahrung, einem verlassenen Kind zu begegnen.

 

Lindbom-Jakobson Marika, Lindgren Lena. Integration oder Zudecken. Eine Pilotuntersuchung über Bewältigungsstrategien von schwer traumatisierten Patienten.

Zur Verbesserung der Anfangsentscheidung über Behandlungsempfehlungen für Patienten, die politisch verfolgt und gefoltert worden sind, brauchten wir ein Instrument, das es uns ermöglichte, ihre Bewältigungsstrategien zu erfassen. Dazu wurde die Integration/Sealing-over Global Scale, eine Skala, die die Polaritäten Integration und Zudecken umfasst, an die Gegebenheiten von zwischenmenschlichen Traumaerfahrungen angepasst. Es wurde ein halbstandardisiertes Interview entwickelt, das die entscheidenden psychodynamischen Aspekte in diesem Zusammenhang erfasst und in Interviews mit vier früheren Patienten erprobt. Es wird in dieser Arbeit erörtert, ob eine psychodynamische Therapie das Bewältigungsverhalten der Patienten verändern kann.

 

Thome Astrid. Die Symbiose zwischen einer Mutter und ihrem schizophrenen Sohn. Eine Fallstudie mit Träumen.

Die Arbeit befasst sich mit den fortbestehenden unbewussten symbiotischen Aspekten der Beziehung zwischen einer Mutter und ihrem erwachsenen, als schizophren diagnostizierten Sohn. Die Mutter nimmt zusammen mit Patienten unterschiedlicher Diagnosen an einer analytischen Gruppenpsychotherapie teil. Der Sohn wurde nach langen Jahren unterschiedlicher psychiatrischer Interventionen stationär psychotherapeutisch behandelt und lehnte danach jegliche ambulante Weiterbehandlung ab. Dass der Sohn dennoch keinerlei psychotische Rückfälle mehr hatte, ein zunehmend eigenständiges Leben (Beruf, Partnerschaft) führen kann, verdankt sich wahrscheinlich dem Umstand, dass die Mutter die Gruppentherapie mehr und mehr für sich nutzt, eigenen Leidensdruck entwickelt und einen eigenen Ablösungprozess initiiert hat. Am Traummaterial von Mutter und Sohn, an Sequenzen aus der gruppenpsychotherapeutischen Arbeit mit der Mutter innerhalb eines bemessenen Zeitraums und Interviewäusserungen des Sohnes werden Aspekte eines gemeinsamen Unbewussten von Mutter und Sohn deutlich.

 

EIN MEXIKANISCH–FINNISCHES SEMINAR

 Barroso Ana Maria. Im Theater der Verwirrung – Trauer und ihre Folgen für ein vierjähriges Kind.

In dieser Arbeit wird über die Transmission von bewussten und unbewussten Phantasien von Eltern auf ihr Kind berichtet. Der Autor stellt dar, wie solche elterlichen Vorstellungen sich selbst noch nach dem Tod der Mutter auf das Kind auswirken. Dabei spielt die unaufgelöste Trauer des Kindes eine bedeutende Rolle.

 

 

Bustamante Juan José. Vom Verstehen der Hoffnung sterbender Patienten.

Die Arbeit beschreibt die gemeinsame Erfahrung des Sterbens im therapeutischen Prozess mit Patienten, die an unheilbaren und terminalen Krankheiten leiden. Chronische Krankheit und das bevorstehende Sterben bringen den Patienten und seine Familie in eine schwierige und quälende Situation. Sie erfordert nicht nur medizinische Hilfe, sondern auch ein verständnisvolles Hinhören auf die Bedürfnisse des Patienten, um schädliche und unnötige Interventionen zu vermeiden. Bei fortgeschrittenen Krankheiten sind hightech-medizinische Behandlungen zu unterlassen. Vorrangig ist die Wahrung der Intimität der Betroffenen. Anhand des klinischen Materials werden in dieser Arbeit die Stadien beschrieben, durch die ein Patient und seine Familie in diesem Prozess hindurchgehen. Es wird dargestellt, wie das Verstehen der Hoffnung eine umfassende Strategie sein kann, die eine therapeutische Beziehung schafft, die dem Patienten und dem Therapeuten bedeutungsvolle Erfahrungen vermittelt.

 

 

Sánchez Guadalupe. Die Mutter als Botschafterin von Liebe und Tod.

 

Für Mütter ist die Geburt eines Kindes sehr nahe am Tod. Sie repräsentieren im Seelenleben das Doppelgesicht von Tod und Leben. Daher ist es besonders interessant, Verlusterlebnisse und ihre Wirkung auf die individuelle Entwicklung von Kindern ausführlicher zu betrachten. Der Artikel stellt dar, was geschieht, wenn ein Tod kurz nach der Geburt auftritt. Er bringt klinisches Material über eine Sechsjährige, Dinah, die unter den Folgen der Trauer um ihre Mutter litt. Es zeigt den therapeutischen Ansatz, bei langfristiger Trauer in Augenblicken, wenn der Schatten des Schmerzes deutlich erkennbar ist, den Verlust aufzudecken, weil er Wirkungen auf das Unbewusste der Überlebenden hat. Dinahs Probleme waren nicht aus dem Verlust selbst entstanden, sondern daraus, dass er in einem Augenblick ihrer Entwicklung eintrat, als sie noch ein Säugling war und nicht in einer reifen Weise darauf reagieren konnte.

 

 

Sierra Carlos: Eine Geschichte der Verluste und die Schaffung einer alternativen Welt.

Anhand eines klinischen Fallbeispiels illustriert der Autor die Folgen einer Geschichte von Verlusten, angefangen mit dem frühen Tod der Mutter. Die Schaffung eines komplexen Abwehrsystems, gestützt auf innere Spaltung und manifestiert durch die Existenz einer selbstgeschaffenen eigenen Welt wird analysiert. Der Autor betont, wie wichtig es in der Behandlung für den Patienten ist, das Gefühl der Leere wiederzuerleben und es zu tolerieren dank der Abhängigkeit vom Analytiker als Hilfs-Ich. Winnicotts Vorschlag einer Beziehung zwischen der Erfahrung der Leere und der Angst vor dem Zusammenbruch wird diskutiert.

 

 

DEBATTEN

 

Robbins Michael. Anmerkungen zu ‘Klein-Jeremys Ringen mit dem Autismus’ von Eduardo Prado de Oliveira

 

 

Prado de Oliveira Luis Eduardo Antwort auf Dr. Robbins’ Anmerkungen

 

 

THEATERKRITIKEN

 

Lindell Juhani. Der Besucher: Freud trifft das Unmögliche

 

 

Sjödin Christer. Eine Diskussion über Entwicklung und Stagnation auf der Grundlage von Eugene O’Neills Stück ‘Long Day’s Journey into Night’

 

 

BUCHREZENSIONEN

 

Ferro Antonino. Piovano B. Parallel Psychotherapy with Children and Parents

 

 

Berichte und Mitteilungen

 

Carola Mann. In Memoriam: Gerhard Chrzanowski 1913 – 2000

 

Inhalt des 9. Bandes : 3-4 Oktober 2000

Erich Fromm: “Zentrum zu Zentrum” Verwandtschaft. 

Leitartikel: Conci Marco. Erich Fromm, ein wiederentdecktes Vermaechtnis

 

            ARTIKEL UND ZUSAMMENFASSUNGEN:

 

Fromm Erich. Die gesellschaftliche Bedingtheit der          Psychoanalytischen Therapie

 

Dies ist die erste englische Übersetzung  eines grundlegenden Aufsatzes von Erich Fromm (1935). Fromm gibt darin eine Zusammenfassung und Kritik von Freuds Ansichten über die Entstehung und Behandlung neurotischer Störungen in der psychoanalytischen Therapie .Im besonderen behandelt er die in Freuds Persönlichkeit und Theorie vorhandene “patrizentrische” Einstellung, die sich hinter dem bürgerlichen “Toleranz-”Begriff versteckt. Als Gegenposition stellt er die Theorien von Georg Groddeck und Sándor Ferenczi vor, die aber entweder wissenschaftliche Stringenz vermissen lassen würden(Groddeck) oder nicht weit genug gingen ( Ferenzci).

 

 

Fromm Erich. Das Unbewußte und die Psychoanalytische Praxis

 

Der Beitrag Das Unbewußte und die psychoanalytische Praxis gibt drei Vorlesungen wieder, die Erich Fromm im Mai 1959 am William Alanson White Institute in New York gehalten hat und die sich als Transkripte in seinem Nachlaß fanden. Die hier erstmals im englischen Original veröffentlichten Vorlesungen vermitteln einen sehr guten Einblick in Fromms besonderen Umgang mit den Patienten und sein zum Teil völlig anderes Verständnis von psychoanalytischer Praxis. Dieses ergab sich nicht nur aus seinem spezifisch sozialpsychologischen Ansatz, bei dem der Einzelne schon immer als vergesellschaftetes Wesen begriffen wird, und seiner Kritik an der Freudschen Triebtheorie und deren gesellschaftlicher Determiniertheit, sondern auch an seinem - vor allem aus der Begegnung mit dem Zen-Buddhismus resultierenden - anderen Verständnis des Unbewußten. Das Unbewußte ist für Fromm der ganze Mensch, während das Bewußte nur jener kleine Ausschnitt ist, der die Filter von Sprache, Logik und Gesellschafts-Charakter passieren darf. Dieses Verständnis von bewußt und unbewußt führt bei Fromm zu einem klinischen Verständnis von Entfremdung, das weitreichende Konsequenzen für die therapeutische Praxis hat.

Die Vorlesungen erschienen in deutscher Übersetzung erstmals im 7. Nachlaßband der Schriften von Erich Fromm (Gesellschaft und Seele, Weinheim (Beltz) 1992, S. 111-167) und sind in Band 12 (S. 201-236) der Erich Fromm Gesamtausgabe in 12 Bänden, hg. von Rainer Funk, München (DVA und dtv) 1999, abgedruckt.

 

 

Funk Rainer. Tübingen, Deutschland.  Erich Fromms Rolle bei der Gründung der IFPS.

Erkenntnisse auf Grund der Dokumente im Erich Fromm-Archiv in Tübingen

 

Zunächst wird anhand der Dokumente, die sich im Erich Fromm-Archiv in Tübingen befinden, aufgezeigt, welche Rolle Erich Fromm bei der Gründung der International Federation of Psychoanalytic Societies (IFPS) gespielt hat. Der zweite Teil behandelt dann die vermutlich interessantere Frage, was Fromm persönlich motiviert hat, eine Vereinigung psychoanalytischer Gesellschaft parallel und in Abgrenzung von der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV) anzuregen und zu gründen. Auch wenn die Gründe und Motive für Fromms Initiative in erster Linie von historischer Bedeutung sind, so sind doch auch für die Gegenwart nicht bedeutungslos. In einem letzten Abschnitt wird deshalb Fromms Verständnis von Psychoanalyse als Herausforderung sowohl für die IVP als auch für die IFPS erörtert.

 

 

Mann Carola. Fromms Einfluß auf die Interpersonelle Psychoanalyse - ein wohl gehütetes Geheimnis

 

Erich Fromm begründete das New Yorker William Alanson White Institute mit und leistete einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des interpersonellen Ansatzes der Psychoanalyse. Viele psychoanalytischen Gedanken Fromms finden sich heute im Mainstream psychoanalytischen Denkens wieder. In Kontrollanalysen und Vorlesungen sprach er immer wieder von der Rolle des Analytikers, wie er sich in den analytischen Prozeß einzubringen hat und von der Notwendigkeit, das zu erleben, was der Patient erlebt. Er gebrauchte keine Begriffe wie „projektive Identifikation“, doch sein Verständnis deutete auf vieles von dem hin, was heute erörtert wird. Fromm selbst schrieb nicht viel über klinische Fragen. Während er immer wieder seine Wertschätzung für Freud äußerte, machte er doch sehr deutlich, worin er nicht mit Freud übereinstimmte. Fromm wies die Äußerung Freuds zurück, der Analytiker solle wie ein Spiegel sein; für Fromm lebt die Psychoanalyse vielmehr von dem leidenschaftlichen Wunsch nach Wahrheit, und zwar sowohl auf Seiten des Analytikers wie des Analysanden. Er nennt diese Leidenschaft „biophil“, womit er deutlich macht, daß für ihn das Unbewußte nicht nur destruktive Triebe beherbergt, die es zu bändigen gilt, sondern auch schöpferische Triebkräfte, die, selbst wenn sie irrational sind, konstruktiv sind und mit Hilfe der Psychoanalyse befreit werden müssen.

 

 

 

Millán Salvador, Gojman Sonia, Mexiko Stadt, Mexiko

Fromms Vermächtnis in Mexiko

 

Erich Fromms eher zufälliger Besuch Mexikos im Jahre 1949 und sein damaliges Zusammentreffen mit einer Gruppe mexikanischer Psychiater stellt den Beginn einer über 25 Jahre dauernden Arbeitsbeziehung dar. Diese hinterließ ihre Spuren bei einer Reihe von gemeinschaftsorientierten Einrichtungen, bei berufsbezogenen Gesellschaften und Veröffentlichungen bis in unsere Tage. Der vorstehende Beitrag beschreibt einige der zahlreichen Aktivitäten, an denen in den letzten 25 Jahren Sozialforscher, Psychoanalytiker, Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter, Soziologen, Anthropologen und Religionswissenschaftler beteiligt waren. Er möchte zugleich verdeutlichen, wie wichtig solche Initiativen und Institutionen auch heute noch sind.

 

 

Biancoli Romano. Das Istituto Erich Fromm di Psicoanalisi Neofreudiana in Bologna

 

Der Beitrag berichtet, wie das Institut Fromms psychoanalytische Lehren aufgreift und seinen Beitrag zur Psychoanalyse umzusetzen versucht. Das Institut will zur Bildung einer Frommschen Forschungstradition und zu deren Entwicklung in Italien beitragen. Fromm hat zu seinen Lebzeiten eine klinische Praxis geschaffen, die zur Basis all seiner Theorien wurde. Das Institut will diesen Reichtum an klinischer Erfahrung in Forschung und Lehre heben. Hinsichtlich der therapeutischen Technik gibt es wertvolle geschriebene und aufgezeichnete Dokumente: in verschiedenen, von ihm veröffentlichten Büchern, in den posthum veröffentlichten Schriften, in aufgezeichneten Seminaren und Interviews. Nach einer kurzen Bemerkung zur Geschichte des Instituts wird die Sichtweise Fromms ausführlich dargestellt und nahegebracht, wie sich Psychoanalyse und radikaler Humanismus verbinden. Es wird betont, daß Fromms Denkrichtung keine eigene psychoanalytische Schulbildung darstellt, sondern sich als offener und kritischer Beitrag versteht. So erklärt sich auch, warum Fromm kein Interesse an einer Kodifizierung und Standardisierung der psychoanalytischen Technik hatte. Auch wenn sich der Beitrag in erster Linie mit klinischen Frage der Psychoanalyse beschäftigt, so gilt es doch, sich auch großer Denker wie Meister Eckhart und Spinoza zu erinnern, die die Sichtweise Fromms inspirierten und ihr Nachdruck verliehen.

 

 

Biancoli Romano, Bologna-Ravenna, Italien . Über Hindernisse beim Individuationsprozeß.

 

Anhand eines ausführlichen Fallbeispieles wird verständlich gemacht, wie die gesunde Inzestangst, die den Individuationsprozeß fördert, in Konflikt geraten kann mit der Angst, die Kindheit zu verlassen und erwachsen zu werden. Dieser Konflikt äußert sich unter anderem in einer Art Lähmung oder Behinderung zu leben, die in Haß umschlagen kann. Die Analyse zeigt, daß vor allem Angst, Furcht, Haß und Aggression jene Faktoren sind, die einen Menschen davon abhalten, den Schritt ins Leben zu tun. Diese Affekte werden in Übereinstimmung mit Fromms Aggressionstheorie und seinem diagnostischen Modell des „Verfallsyndroms“ näherhin untersucht. Letzteres ergibt sich aus dem Zusammentreffen und der Interaktion von inzestuöser Symbiose, Narzißmus und Destruktivität. Besondere Aufmerksamkeit wird den Mechanismen der Verdrängung und der Abspaltung von Haß, der nicht für die Aggression gebracht wird, geschenkt. Verdrängter und abgespaltener Haß kann zu quasi-halluzinatorischen Symptomen führen und Terrorakte produzieren. Auf diese Weise läßt sich die verwirrende Symptomatologie des vorgestellten Patienten erklären. Auch läßt sich die Macht des Hasses als Bindungskraft aufzeigen: wie dieser zugleich die Mutterbindung begründet und den Individuationsprozeß hemmt.

 

Roazen Paul. Fromm’s Flucht aus der Freiheit und  seine Position heute.

 

Fromm bleibt heutzutage als ein psychoanalytischer Denker ausserordentlich vernachlaessigt, trotz seines einst grossartigen Erfolges als beruehmter Schriftsteller.

 

 

McLaughlin Neil. Revision eines Grenzgängers: Fromms Beitrag zur Psychoanalyse

 

Fromms wichtige Beiträge zur gegenwärtigen Entwicklung psychoanalytischen Denkens werden oft verleugnet und häufig mißverstanden. Schon früh vertrat Fromm eine ähnliche Revision der psychoanalytischen Theorie und Therapie, wie sie in neueren Richtungen der Objektbeziehungstheorie, der Selbstpsychologie und der interpersonellen Psychoanalyse vollzogen wurde. Fromm hatte eine Freudsche Theorie im Sinn, die auf den richtigen Erkenntnissen der Vergangenheit aufbaut, diese aber weiterführt. Es wird gezeigt, daß Fromms einzigartiger Beitrag für eine Psychoanalyse des 21. Jahrhunderts sowohl ein soziologischer als auch ein geistesgeschichtlicher war und wie sehr die soziologischen Dynamiken die Frommsche Revision der Psychoanalyse bestimmten. Schließlich soll aufgezeigt werden, wie es Fromm gelang, im Vergleich zu anderen, die die Freudsche Theorie revidierten, eine sehr viel stärkeren Einfluß zu haben.

 

 

 

Wichtige Daten im Leben Erich Fromm´s

 

 

Fromm Erich. Autobiographische Standlichter von Erich Fromm

 

 

BUCHREZENSION

 

Ortmeyer Dale H. Spaziergang durch das Leben Erich Fromm´s (1900-1980)

 

 

BERICHTE UND KURZE MITTEILUNGEN

 

Biancoli  R. Bestseller in Psychoanalyse-Italien

 

 

Conci M. Bericht über das XI IFPS Forum, New York  Mai 2000

 

 

Wissenschaftliche Aktivitäten im schwedischen psychoanalytischen Verband 1999

 

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